Warum läuft das Fenster trotz Abdichtung an?

Lesedauer: 14 Min
Aktualisiert: 15. Juni 2026 06:41

Ein beschlagenes Fenster trotz Abdichtung ist fast immer ein Hinweis auf zu hohe Luftfeuchtigkeit im Raum, kalte Glasflächen oder eine Kombination aus beidem. Die Abdichtung ist dabei oft gar nicht das eigentliche Problem, sondern nur der sichtbare Auslöser für ein bereits vorhandenes Feuchte- und Temperaturgefälle.

Kurz erklärt

Warum läuft das Fenster trotz Abdichtung an?: Juni 2026 06:41 Ein beschlagenes Fenster trotz Abdichtung ist fast immer ein Hinweis auf zu hohe Luftfeuchtigkeit im Raum, kalte Glasflächen oder eine Kombination aus beidem.

Fazit für die Praxis Ein Fenster beschlägt trotz Abdichtung meist wegen zu hoher Luftfeuchtigkeit, kalter Oberflächen oder beidem zusammen.

Wer die Ursache richtig einordnet, kann das Beschlagen meist deutlich verringern oder ganz abstellen. Entscheidend ist, ob sich Kondenswasser innen am Glas, am Rahmen oder sogar zwischen den Scheiben bildet.

Was das Beschlagen wirklich bedeutet

Beschlag entsteht, wenn warme, feuchte Luft auf eine kalte Oberfläche trifft und der Wasserdampf dort kondensiert. Das ist keine Seltenheit, sondern ein ganz normaler physikalischer Vorgang. Problematisch wird es erst, wenn das regelmäßig passiert, denn dann sammelt sich Feuchtigkeit an, und Schimmel bekommt bessere Bedingungen.

Eine gute Abdichtung verhindert Zugluft und Wärmeverluste, sie macht den Raum aber nicht trockener. Genau hier liegt der häufigste Denkfehler: Wer nur die Dichtung verbessert, löst nicht automatisch das Feuchtethema. In vielen Wohnungen steigt die relative Luftfeuchtigkeit sogar, weil weniger Luftaustausch stattfindet.

Die häufigsten Ursachen

Die Ursache liegt oft in der Kombination aus Alltagsnutzung, Raumklima und Bauzustand. Einzelne Faktoren reichen manchmal schon aus, in der Praxis wirken aber meist mehrere zusammen.

  • Zu hohe Luftfeuchtigkeit durch Kochen, Duschen, Trocknen von Wäsche oder viele Zimmerpflanzen
  • Zu seltenes oder zu kurzes Lüften
  • Zu niedrige Raumtemperatur, vor allem nachts oder in wenig genutzten Räumen
  • Wärmebrücken am Rahmen, an der Fensterlaibung oder an schlecht gedämmten Wandbereichen
  • Eine sehr dichte Fenster- und Gebäudehülle ohne passenden Luftaustausch
  • Falsche oder gealterte Dichtungen, die zwar abdichten, aber einzelne Problemstellen verschärfen

Besonders tückisch ist die Situation in Altbauten und teilsanierten Wohnungen. Dort treffen oft neue, dichte Fenster auf ältere Wandanschlüsse oder eine Dämmung, die noch nicht durchgehend stimmig ist. Dann bleibt die Innenoberfläche an einzelnen Stellen so kalt, dass Kondensat fast vorprogrammiert ist.

So prüfst du die Ursache systematisch

Am sinnvollsten gehst du in einer festen Reihenfolge vor. Erst beobachten, dann messen, danach gezielt nachsteuern. Das spart Zeit und verhindert, dass du an der falschen Stelle ansetzt.

  1. Prüfe, wo genau das Wasser sitzt: nur auf dem Glas, auch am Rahmen oder zwischen den Scheiben.
  2. Miss die Luftfeuchtigkeit im Raum, am besten morgens und abends. Werte dauerhaft über etwa 60 Prozent sind ein Warnsignal.
  3. Vergleiche die Raumtemperatur mit weniger betroffenen Zimmern. Stark ausgekühlte Räume beschlagen schneller.
  4. Schau dir die Dichtungen, den Fensterfalz und den Anschluss an die Wand an.
  5. Teste, ob gezieltes Lüften und leicht höhere Raumtemperatur das Problem spürbar mindern.

Wenn das Fenster nur morgens beschlägt und tagsüber wieder trocken wird, spricht das oft für nächtliche Abkühlung bei hoher Luftfeuchtigkeit. Bleibt es dagegen dauerhaft nass, liegt meist ein stärkeres Klima- oder Dämmproblem vor. Tritt die Feuchte sogar zwischen den Scheiben auf, ist die Isolierverglasung selbst wahrscheinlich beschädigt.

Was du im Alltag sofort ändern kannst

Die wirksamsten Maßnahmen sind oft erstaunlich unspektakulär. Gerade weil sie so banal wirken, werden sie gern unterschätzt. Doch bei Feuchteproblemen zählen Routine und Timing mehr als der große Wurf.

Anleitung
1Prüfe, wo genau das Wasser sitzt: nur auf dem Glas, auch am Rahmen oder zwischen den Scheiben.
2Miss die Luftfeuchtigkeit im Raum, am besten morgens und abends. Werte dauerhaft über etwa 60 Prozent sind ein Warnsignal.
3Vergleiche die Raumtemperatur mit weniger betroffenen Zimmern. Stark ausgekühlte Räume beschlagen schneller.
4Schau dir die Dichtungen, den Fensterfalz und den Anschluss an die Wand an.
5Teste, ob gezieltes Lüften und leicht höhere Raumtemperatur das Problem spürbar mindern.

Lüfte nach Feuchtequellen immer sofort. Nach dem Duschen, Kochen oder Wäschetrocknen sollte die feuchte Luft aus dem Raum, bevor sie sich an kalten Flächen niederschlägt. Stoßlüften mit weit geöffnetem Fenster ist dabei meist sinnvoller als dauerhaft gekippte Fenster, weil der Luftaustausch schneller und effektiver stattfindet.

Halte die Raumtemperatur möglichst gleichmäßig. Ein stark auskühlendes Schlafzimmer oder Arbeitszimmer begünstigt Kondensat am Morgen. Schon ein paar Grad Unterschied können darüber entscheiden, ob der Taupunkt erreicht wird oder nicht.

Auch die Möblierung spielt eine Rolle. Große Möbel direkt vor der Außenwand oder unmittelbar neben dem Fenster blockieren die Luftzirkulation. Die Wand bleibt dann kälter, die Luft dort steht, und die Feuchtigkeit setzt sich schneller ab.

Wenn die Abdichtung zu gut geworden ist

Eine sehr dichte Fensterabdichtung ist grundsätzlich sinnvoll, sie kann aber Nebenwirkungen haben. In älteren Wohnungen wurde der Luftaustausch früher oft über kleine Undichtigkeiten mitgelöst. Sobald diese Leckstellen geschlossen sind, bleibt Feuchtigkeit länger im Raum.

Das bedeutet nicht, dass gute Dichtungen schlecht wären. Es bedeutet nur, dass ein dichteres Fenster immer mit einem besseren Lüftungsverhalten oder einer angepassten Lüftung zusammengehen muss. Wer beides zusammendenkt, bekommt das Klima meist deutlich stabiler in den Griff.

Ein weiteres Missverständnis betrifft die Mikro-Kippstellung. Viele Menschen lassen Fenster lange gekippt, weil sie denken, das sei schonendes Lüften. Tatsächlich kühlen dabei die Laibung und der Bereich rund um das Fenster stark aus, während der Luftaustausch oft schwächer ist als erwartet. Das kann das Beschlagen sogar verstärken.

Praxisnahe Situationen aus dem Alltag

In einer kleinen Mietwohnung mit frisch erneuerten Kunststofffenstern ist morgens oft das Schlafzimmerfenster nass, obwohl die Dichtungen tadellos aussehen. Hier liegt die Ursache häufig in der Mischung aus niedriger Nachttemperatur, geschlossenen Türen und hoher nächtlicher Atemfeuchte. Gezieltes Lüften vor dem Schlafen und direkt nach dem Aufstehen bringt meist schon viel.

In einer Küche mit offener Verbindung zum Wohnraum beschlägt häufig nicht nur das Kochfenster, sondern auch der angrenzende Bereich. Dann verteilt sich die feuchte Luft im ganzen Raumverbund. Eine stärkere Dunstabzugsnutzung, kurzes Zusatzlüften nach dem Kochen und eine etwas wärmere Raumführung helfen deutlich besser als der bloße Tausch der Dichtung.

In einem Altbau mit neuer Abdichtung und kalter Fensterlaibung kann das Problem an einer Wärmebrücke liegen. Dann bildet sich das Wasser nicht gleichmäßig auf dem ganzen Glas, sondern vor allem an den Rändern oder unten am Rahmen. In solchen Fällen reicht Lüften allein oft nicht aus, weil der kälteste Bereich des Bauteils die Feuchtigkeit immer wieder anzieht.

Wann Technik oder Bauzustand mitspielen

Manche Fenster beschlagen, obwohl das Verhalten im Raum schon recht ordentlich ist. Dann lohnt sich ein Blick auf die bauliche Seite. Eine schlechte Dämmung am Anschluss, beschädigte Dichtprofile, undichte Falze oder falsch eingestellte Beschläge können den Wärmeverlust erhöhen und den Taupunkt schneller erreichen lassen.

Auch Rollläden und Vorhänge werden häufig übersehen. Wenn sie nachts dicht vor dem Glas hängen, staut sich dort Kälte. Das Fenster kühlt stärker aus, und morgens steht das Wasser auf der Innenfläche. Ein kleiner Abstand oder eine bessere Luftzirkulation hinter dem Vorhang kann die Situation bereits verbessern.

Bei Isolierglas mit Feuchtigkeit zwischen den Scheiben ist der Fall klarer. Dann ist die Abdichtung der Scheibeneinheit selbst beschädigt, und die warme Raumluft gelangt in den Scheibenzwischenraum. Das ist kein Lüftungsproblem mehr, sondern ein Fall für Austausch oder Fachprüfung.

Welche Reihenfolge bei der Lösung am meisten bringt

Am besten gehst du gestaffelt vor. Erst die einfachen Ursachen, dann die baulichen Punkte. So vermeidest du unnötige Ausgaben und erkennst schneller, ob überhaupt eine technische Maßnahme nötig ist.

Zuerst Feuchtigkeit im Raum senken. Danach Luftbewegung und Temperatur prüfen. Erst wenn das Fenster weiter stark beschlägt, lohnt sich der Blick auf Dichtungen, Beschläge, Wärmebrücken oder die Verglasung selbst. Diese Reihenfolge ist im Alltag meist die effizienteste, weil sie reversible und günstige Schritte vornimmt, bevor etwas Größeres folgt.

Wenn du Schimmelspuren siehst, riechst oder dunkle Punkte an Rahmen und Laibung entdeckst, solltest du nicht lange experimentieren. Dann ist die Ursache oft schon länger aktiv, und die Feuchtigkeit muss konsequent reduziert werden. Je früher du eingreifst, desto geringer ist der Folgeschaden.

Typische Irrtümer, die Zeit kosten

Ein häufiger Irrtum ist die Annahme, dass neue Dichtungen automatisch ein trockenes Fenster bedeuten. Dichtungen sind wichtig, aber sie sind nur ein Teil des Systems. Ohne passenden Luftaustausch verschiebt sich das Problem einfach an eine andere Stelle.

Ein zweiter Irrtum ist, dass nur alte Fenster beschlagen. Auch moderne Fenster können anlaufen, wenn der Raum zu feucht oder zu kalt ist. In gut gedämmten Gebäuden fällt das sogar manchmal stärker auf, weil die Oberflächen zwar besser dämmen, der Feuchtetransport im Raum aber trotzdem nicht stimmt.

Ein dritter Punkt betrifft den Standort des Hygrometers. Wer nur auf eine einzelne Messung mitten im Raum schaut, sieht das Problem oft zu grob. Aussagekräftiger sind Messwerte am Morgen, nach dem Kochen und in kühleren Ecken in Fensternähe. Dann wird das Muster klarer.

Was du besser nicht aufschiebst

Dauerhaftes Kondenswasser sollte man nicht einfach abwischen und vergessen. Es ist ein Signal, dass im Raum etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist. Bleibt das über Wochen oder Monate bestehen, werden Rahmen, Silikonfugen, Fensterbänke und angrenzende Wandbereiche belastet.

Besonders wichtig ist die Prüfung, wenn sich Feuchtigkeit unterhalb der Scheibe sammelt oder der Rahmen weich, verfärbt oder muffig wirkt. Dann kann bereits Material geschädigt sein. Ein späterer Eingriff wird meist teurer als ein früher, nüchterner Blick auf Ursache und Zustand.

Auch gesundheitlich ist anhaltende Feuchte kein harmloser Schönheitsfehler. Sie fördert Schimmelwachstum und schlechte Raumluft. Gerade in Schlafräumen lohnt sich deshalb eine saubere Lösung, nicht nur ein optischer Schnellgriff mit dem Tuch.

Fazit für die Praxis

Ein Fenster beschlägt trotz Abdichtung meist wegen zu hoher Luftfeuchtigkeit, kalter Oberflächen oder beidem zusammen. Wer zuerst misst, dann lüftet, die Temperatur prüft und anschließend die baulichen Stellen betrachtet, kommt der Ursache zuverlässig näher. In vielen Fällen reicht schon eine bessere Raumroutine, in anderen braucht es eine Prüfung von Dichtung, Wärmebrücke oder Verglasung.

Entscheidend ist, das Beschlagen nicht als Einzelproblem des Fensters zu sehen. Meist zeigt es nur, dass Raumklima und Bauteiltemperatur nicht gut zusammenspielen. Wer das System als Ganzes betrachtet, bekommt die Situation deutlich stabiler in den Griff.

Auch ein sauber abgedichtetes Fenster kann beschlagen, weil Abdichtung nur einen Teil des Feuchteproblems löst. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus Luftfeuchte, Temperatur, Luftaustausch und Oberflächentemperatur. Kondenswasser bildet sich immer dort, wo warme, feuchte Raumluft auf kalte Flächen trifft. Die Dichtung hält Zugluft und unkontrollierte Undichtigkeiten zurück, sie verhindert aber nicht, dass sich die Scheibe bei niedrigen Außentemperaturen abkühlt.

Warum die Dichtung allein das Beschlagen nicht verhindert

Die Dichtung trennt Innen- und Außenluft. Dadurch sinkt zwar der Wärmeverlust an vielen Stellen, doch die Glasfläche bleibt weiterhin eine stark kühlende Zone. Vor allem nachts, morgens und bei hoher Heizlast fällt die Innenseite des Glases oft unter den Taupunkt der Raumluft. Dann setzt sich Wasser ab, obwohl der Rahmen dicht ist. Dieser Effekt ist bei großen Glasflächen, Nordausrichtung, Rollladenkästen, kühleren Laibungen und wenig Sonneneinstrahlung besonders deutlich.

Zusätzlich spielt die Nutzung des Raums eine Rolle. Kochen, Duschen, Wäschetrocknen, viele Pflanzen oder dauerhaft gekippte Fenster verändern die Feuchtebilanz. Eine gute Abdichtung kann sogar sichtbarer machen, dass das Fenster nun nicht mehr ungewollt auskühlt und die Feuchte stattdessen an der kältesten Stelle kondensiert. Das Problem verlagert sich also oft, statt zu verschwinden.

So reduzierst du die Feuchte im Raum systematisch

Der wirksamste Ansatz beginnt nicht am Fenster, sondern bei der Luft im Raum. Ziel ist es, die absolute Feuchte zu senken und gleichzeitig den Austausch so zu steuern, dass Innenflächen wieder trockener bleiben. Am besten funktioniert das in einer festen Reihenfolge.

  1. Die Raumtemperatur stabil halten, statt stark abzusenken und später schnell nachzuheizen.
  2. Feuchtequellen bündeln und sofort nach Nutzung abführen, etwa im Bad oder in der Küche.
  3. Mehrmals täglich kurz und kräftig lüften, damit feuchte Luft gegen trocknere Außenluft ausgetauscht wird.
  4. Möbel mit Abstand zur Außenwand stellen, damit Luft hinter den Flächen zirkulieren kann.
  5. Vorhänge, Rollos und breite Fensterbänke so nutzen, dass sie keine Kältezonen abschirmen oder Luftstau erzeugen.

Besonders wichtig ist das Stoßlüften mit weit geöffnetem Fenster für wenige Minuten. Dauerhaft gekippte Fenster kühlen die Laibung aus und senken die Oberflächentemperatur rund um das Glas. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit für Kondensat. In Räumen mit hoher Feuchte genügt Lüften nach dem Duschen, Kochen oder Trocknen oft nicht; dann braucht es zusätzliche Entfeuchtung oder einen geänderten Nutzungsablauf.

Welche baulichen Punkte oft übersehen werden

Neben der allgemeinen Raumfeuchte können bauliche Details das Anlaufen deutlich verstärken. Dazu gehören Wärmebrücken am Rahmenanschluss, eine unzureichend gedämmte Fensterlaibung, kalte Rollladenkästen oder ein undichter Anschluss an die Außenwand. Auch ein scheinbar dichtes Fenster kann an einzelnen Stellen kälter sein als erwartet, etwa an Abstandhaltern im Glasrandbereich oder an schlecht isolierten Übergängen.

Hilfreich ist ein Blick auf die Verteilung des Kondenswassers. Sitzt es überwiegend unten auf der Scheibe, spricht das oft für kalte Glasränder und stehende Luft. Bildet es sich punktuell an Ecken oder am Rahmen, sollte der Anschlussbereich geprüft werden. Ist die Scheibe morgens besonders betroffen, aber tagsüber nicht, passt das häufig zu nächtlicher Auskühlung in Kombination mit hoher Innenfeuchte.

  • Laibung auf kalte, feuchte oder schimmelige Stellen prüfen.
  • Rollladenkasten auf Luftzug und Dämmstandard kontrollieren.
  • Rahmenanschluss außen und innen auf Fugen, Risse oder alte Dichtstoffe ansehen.
  • Prüfen, ob Möbel oder schwere Vorhänge die Luftbewegung am Fenster blockieren.

Wie du die Ursache mit wenig Aufwand eingrenzt

Ein Hygrometer liefert die schnellste Orientierung. Liegt die relative Luftfeuchte dauerhaft hoch, ist die Ursache meist im Raumklima zu finden. Werte um etwa 40 bis 60 Prozent gelten in normalen Wohnräumen meist als unkritisch, in Schlafzimmern oder nach Belastung können sie zeitweise darüber liegen. Entscheidend ist nicht nur ein einzelner Messwert, sondern der Ablauf über den Tag. Steigt die Feuchte regelmäßig an und fällt nach dem Lüften deutlich ab, liegt das Hauptproblem in der Nutzung oder im Luftaustausch.

Bleibt die Scheibe trotz moderater Luftfeuchte nass, lohnt ein Blick auf Temperaturunterschiede. Ein einfaches Infrarotthermometer oder ein Thermometer mit Oberflächenfühler zeigt, ob die Glasinnenseite ungewöhnlich kalt ist. Dann steht weniger die Abdichtung selbst im Mittelpunkt als die Frage, ob das Bauteil thermisch schwach ist oder ob sich kalte Luft im Bereich des Fensters staut.

Für die Einordnung hilft folgende Reihenfolge:

  • Zuerst Luftfeuchte im Raum messen.
  • Dann Lüftungsverhalten und Feuchtequellen prüfen.
  • Anschließend Oberflächentemperatur an Glas und Rahmen vergleichen.
  • Zum Schluss bauliche Schwachstellen am Anschluss untersuchen.

Welche Maßnahmen sich dauerhaft am meisten lohnen

Langfristig bringt die Kombination aus kontrollierter Luftfeuchte, guter Luftzirkulation und ausreichender Oberflächentemperatur den besten Effekt. Das bedeutet in der Praxis: Feuchte nicht nur kurzfristig senken, sondern die Ursache regelmäßig mitdenken. In Schlafräumen hilft es oft, abends nicht zu stark aufzuhitzen und morgens direkt zu lüften. In Küche und Bad sollten Feuchte Spitzen sofort abgeführt werden. In Wohnräumen verbessert schon ein freier Luftspalt hinter Möbeln die Situation spürbar.

Wenn trotz aller Maßnahmen immer wieder Wasser an der Scheibe steht, ist die Fenstersituation selbst zu prüfen. Dann kommen Wärmeschutz, Glasausführung, Rahmenaufbau und der Anschluss an die Wand stärker in den Fokus. Besonders bei älteren Fenstern oder nach einer Sanierung kann das Verhältnis zwischen Dichtigkeit und Wärmedämmung verschoben sein. Die Abdichtung ist dann nicht das Problem, aber sie macht vorhandene Schwächen deutlicher sichtbar. Eine saubere Lösung entsteht erst, wenn Raumklima, Nutzung und Bauteil zusammen betrachtet werden.

Fragen und Antworten

Warum bildet sich trotz intakter Dichtung Feuchtigkeit am Glas?

Meist trifft warme, feuchte Raumluft auf eine kalte Glasfläche und unterschreitet dort den Taupunkt. Die Dichtung verhindert Zugluft, senkt aber nicht automatisch die Luftfeuchte und auch nicht die Oberflächenkälte des Glases.

Woran erkenne ich, ob es nur außen oder innen beschlägt?

Außen sitzendes Kondenswasser zeigt sich häufig morgens oder nach klaren Nächten und verschwindet mit steigender Temperatur. Innen beschlagen die Scheiben vor allem bei hoher Luftfeuchte durch Kochen, Duschen, Wäschetrocknen oder viele Personen im Raum.

Welche Rolle spielt das Lüften bei diesem Problem?

Regelmäßiger Luftaustausch senkt die Feuchte und verschiebt den Taupunkt nach unten. Kurzes Stoßlüften ist dabei meist wirksamer als dauerhaft gekippte Fenster, weil es die feuchte Innenluft schneller austauscht.

Hilft Heizen gegen beschlagene Scheiben?

Ja, weil wärmere Raumluft mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann und das Glas weniger stark auskühlt. Wichtig ist eine gleichmäßige Temperatur, damit sich keine kalten Zonen an der Scheibe oder im Laibungsbereich bilden.

Kann ein neues Fenster häufiger beschlagen als ein altes?

Das passiert durchaus, weil moderne Fenster dichter schließen und weniger Luft unkontrolliert entweicht. Dadurch bleibt mehr Feuchtigkeit im Raum, wenn Lüften und Heizen nicht angepasst werden.

Welche Stellen am Fenster sollten auf Undichtigkeiten geprüft werden?

Kontrolliert werden sollten Dichtungen, Beschläge, Rahmenanschlüsse und die Übergänge zur Wand. Auch kleine Fehlstellen können dazu führen, dass kalte Luft einströmt oder warme Luft an kalten Flächen kondensiert.

Wann ist die Verglasung selbst der Auslöser?

Bei schlechter Dämmung oder älteren Scheiben bleibt die Innenseite deutlich kälter als bei modernen Isoliergläsern. Dann reicht normale Raumfeuchte eher aus, um Wasser auf der Oberfläche zu bilden.

Wie lässt sich die Raumfeuchte sinnvoll überprüfen?

Ein Hygrometer zeigt schnell, ob die Luftfeuchtigkeit zu hoch ist. In Wohnräumen liegt ein Bereich um etwa 40 bis 60 Prozent meist günstig, wobei Küche und Bad zeitweise darüber liegen können.

Was bringt eine bessere Luftzirkulation direkt am Fenster?

Freier Luftstrom verhindert, dass sich feuchte Luft in der Fensterecke staut. Vorhänge, Möbel oder breite Fensterbänke sollten daher nicht dauerhaft dicht an der Glasfläche stehen.

Wann sollte ein Fachbetrieb prüfen, ob mehr dahintersteckt?

Wenn die Scheiben trotz angepasstes Lüften, richtigem Heizen und kontrollierter Feuchte weiter stark beschlagen, ist eine technische Prüfung sinnvoll. Dann können Wärmebrücken, fehlerhafte Montage oder verdeckte Bauschäden die Ursache sein.

Fazit

Beschlag entsteht meist nicht wegen einer schlechten Abdichtung allein, sondern durch das Zusammenspiel aus Feuchte, Temperatur und Luftbewegung. Wer Raumklima, Lüftung, Heizverhalten und den Zustand von Fenster und Anschluss systematisch prüft, findet die Ursache meist schnell. Bleibt das Problem bestehen, lohnt sich die fachliche Kontrolle von Verglasung, Rahmen und Einbausituation.

Zusammenfassung

Juni 2026 06:41 Ein beschlagenes Fenster trotz Abdichtung ist fast immer ein Hinweis auf zu hohe Luftfeuchtigkeit im Raum, kalte Glasflächen oder eine Kombination aus beidem.

Fazit für die Praxis Ein Fenster beschlägt trotz Abdichtung meist wegen zu hoher Luftfeuchtigkeit, kalter Oberflächen oder beidem zusammen.

Checkliste
  • Zu hohe Luftfeuchtigkeit durch Kochen, Duschen, Trocknen von Wäsche oder viele Zimmerpflanzen
  • Zu seltenes oder zu kurzes Lüften
  • Zu niedrige Raumtemperatur, vor allem nachts oder in wenig genutzten Räumen
  • Wärmebrücken am Rahmen, an der Fensterlaibung oder an schlecht gedämmten Wandbereichen
  • Eine sehr dichte Fenster- und Gebäudehülle ohne passenden Luftaustausch
  • Falsche oder gealterte Dichtungen, die zwar abdichten, aber einzelne Problemstellen verschärfen

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